Perspektive Modebranche 2017

Veröffentlichung von Kirsten Reinhardt, Expertin des WBC-Cologne, im Fachmagazin Textilmitteilungen 1/2017
Die Business-to-business-Umfrage bringt es an den Tag: Die spezialisiserte Modebranche schloss das Jahr 2016 mit einem Umsatzminus in Höhe von 1,6 Prozent ab. Das Wetter spielte nicht mit und schob die Saisonstarts nach hinten. Eine fatale Entwicklung angesichts der frühen Rabattierungen in der Branche. Fashionprofis verlangen von ihren Lieferanten mehr Zusammenarbeit: Es geht um die Preiswürdigkeit und die Wertsteigerung der Mode am POS. Dazu sagt Steffen Jost, BTE-Präsident, Jakob Jost GmbH, Grünstadt: 

„Es war ein schweres Jahr 2016. Das begann mit einer zähen Frühlingsaison und endete mit einem schwierigem Weihnachtsgeschäft, das durch Rabattschlachten und Preismarketing von Handel und Industrie bestimmt war. Damit hat sich die Branche den Umsatz-Höhepunkt des Jahres kaputt gemacht. Diese Zerstörung der Markenwerte muss ein Ende haben, das ist die Aufgabe für den Handel und die Industrie für 2017! Auch wir mussten im Dezember ein zwei-prozentiges Umsatzminus hinnehmen, konnten aber für das ganze Jahr ein Umsatzpari erreichen.
Das schwierige Jahr hat Auswirkungen auf die Ordersaison. Wir werden massiv das Thema Warenretouren auf den Messen besprechen und müssen die Vororder besser an den Abverkauf, am besten zu regulären Preisen, anpassen. Denn zu viel Ware heißt zu wenig Spanne. Der Lagerumschlag ist im Facheinzelhandel nicht hoch genug; das ist ein altes Thema. Sich richtig aufzustellen wird nicht einfach, denn die Zeit wird immer schnelllebiger; das Internet gibt den Takt vor. Daher halte ich den Messestandort Düsseldorf für sehr wichtig, denn hier sind die Entscheider vor Ort. Ich erwarte im Bereich Einkauf eine stärkere Gewichtung auf neuartige Online-Kollektionsvorlagen, die Schnelligkeit und Rationalisierungsmöglichkeiten für die gesamte textile Kette bieten. Das gefällt den Einkäufern nicht, welche die Ware live erleben möchten, aber mit so einer Entwicklung werden wir leben und uns von lieb gewonnenen Gewohnheiten trennen müssen. Wir würden lieber mit weniger Marken arbeiten, aber das funktioniert nicht. Wir müssen uns immer nach neuen Marken umschauen, um die Verluste von Lieferanten aufzufangen, die ihre Hausaufgaben in Sachen Vertrieb, Markenwert und Distribution nicht richtig machen. Es bleibt Bewegung am Markt.
2017 wird sicherlich nicht einfacher als das letzte Jahr. Der mittelständische Facheinzelhandel sollte nicht den Fehler machen, sich auf einen Preiskampf einzulassen. Ich glaube, dass eine Differenzierung über Leistung erfolgsversprechender ist. Fest steht, dass der Kunde Exzellenz-Leistung von uns erwartet. Das gilt für das Laden-Layout, den Service und besonders für die Mitarbeiter. Es ist nicht einfach eine gleich bleibende 100-prozentige Qualität zu gewährleisten, denn Menschen sind keine Maschinen oder Programme. Daran sollte jeder an sich arbeiten. Wichtig wird zudem die Digitalisierung auf dem Weg zum Kunden. Über unsere Kundendatenbanken werden wir eine intensivere Kommunikation über digitale Plattformen mit dem Kunden suchen. Mittelfristig denken wir im Online-Bereich über „click und collect“ nach.‟

Hier finden Sie die Veröffentlichung von Kirsten Reinhardt: TM-Januar2017

Business-to-business-Umfrage für Entscheider aus der Modebranche

Diplom Kauffrau Kirsten Reinhardt, Expertin für Branchen- und Unternehmenskommunikation,  befragt jeden Monat Entscheider aus der Modebranche zu aktuellen und zukünftigen Themen – die Ergebnisse sind für die Branche Grundlage für ihre unternehmerischen Entscheidungen. Die Business-to-business-Umfrage erscheint seit 2009 exklusive im Fachmagazin Textilmitteilungen, Verlag EPP Professional Publishing Group GmbH, Düsseldorf.