In Zeiten von Corona …

(offener Brief an die Kolleginnen des wbc-cologne.de)

Liebe Kolleginnen,

seit fast drei Wochen beherrschen Kontaktsperre, Sorgen um die eigene Gesundheit und die unserer Familien, Freundinnen und Freunde unser Leben. Seit fast drei Wochen machen wir uns auch Sorgen um die weitere wirtschaftliche Entwicklung und die eigene berufliche Existenz.

Viele Menschen leiden unter sehr hohen körperlichen und seelischen Belastungen – zuallererst Pflege- und Rettungskräfte, ärztliches und administratives Krankenhauspersonal, Feuerwehr, aber auch Verkaufs- und Lagerpersonal, Produzenten des täglichen Bedarfs, Müllabfuhr, Handwerk und alle, die unter unermüdlichem Einsatz unser Leben „draußen“ aufrechterhalten.
Ihnen gilt unser tiefer Dank!

Seit fast drei Wochen gibt es aber auch viel gegenseitige Unterstützung, Hilfsangebote von Jüngeren an Ältere, Solidaritätsbekundungen aus Fenstern und Balkonen und erste Zahlungen von Bund und Ländern. Und es gibt auch sehr praktische Lösungen und viel Humor bei psychologisch interessanten Phänomenen wie dem allseits kopfschüttelnd betrachteten, gefühlten Toilettenpapiermangel.

Was man bei Corona beachten sollte, ist ausreichend kommuniziert – das sparen wir uns hier. Aber was wir gerne mit Euch teilen wollen, sind die Chancen, die wir in dieser Krise sehen:

  • Wir sehen eine Entschleunigung im eigenen Leben. Der übliche Termindruck durch private und geschäftliche Aktivitäten wird bei vielen – wenn auch nicht bei allen – deutlich geringer.
  • Wir werden flexibler im Arbeiten. Organisationen, bei denen virtuelles Arbeiten lange sehr umstritten war, stellen fest, dass auch bei ungewöhnlichen Arbeitsweisen der Betrieb nicht zusammenbricht.
  • Wir haben mehr Zeit für bisher Unerledigtes. Sei es die sprichwörtliche Aufräumaktion im Keller oder die lange hinausgeschobene Meldung bei einem bestimmten Menschen.
  • Wir werden kreativer – Konzerte vor leerem Haus, Geisterspiele oder virtuelles Zusammenspiel kursieren durchs Internet genauso wie viele humoristische Beiträge mit viel Selbstironie. Wissensvermittlung, Seminare und sogar Tagungen finden virtuell statt. Und wir können inzwischen sogar eine ganze Reihe von Museen im Internet besuchen – dank neuer, anderer, kostenloser Angebote.
  • Wir stellen fest, dass ein Leben ohne Flugreisen und Autofahrten möglich ist. Und wir stellen fest, dass dies zumindest kurzfristig auch unserer Umwelt hilft.
  • Wir besinnen uns allgemein wieder auf das Wesentliche. Wir merken, dass das Glück nicht notwendigerweise im Materiellen liegt, sondern wir stellen fest, wie schön es ist, (virtuellen) Kontakt mit Mitmenschen aufzunehmen und uns zumindest fernmündlich nahe zu sein. Auch das intensivere Zusammensein im Paar oder mit der Familie birgt viel Positives – vielleicht sprechen wir über Dinge, die schon lange in der Luft lagen oder wir hören uns wieder besser zu. Und vielleicht stellen wir auch fest, dass mehr Zeit füreinander allen gut tut.

Wir wünschen uns sehr, dass von diesen Chancen etwas bleibt:

  • Dass wir uns auch nach Corona weniger vom Alltag und den nächsten privaten und geschäftlichen Aktivitäten antreiben lassen, sondern uns bewusst auf unsere sozialen Kontakte besinnen.
  • Dass wir daran denken, dass weniger Konsum, weniger Reisen und weniger Stress nicht nur uns, sondern auch unserem Planeten sehr gut tut.
  • Dass die Worte von Papst Franziskus nicht nur uns, sondern viele Menschen beeindrucken und zum Handeln bewegen: „[..] wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden. [..]“
  • Dass wir uns Flexibilität beim Arbeiten erhalten, sei es virtuell, durch neue Arbeitszeitmodelle oder mehr Kreativität beim Erreichen unserer Ziele.

Ganz besonders aber, dass wir uns auf das besinnen und auch tun, was wirklich wichtig ist!

Wir wünschen Euch und Euren Lieben Gesundheit und die Freiheit im Geist, diese Krise als Chance wahrzunehmen und freuen uns darauf, Euch bald auch wieder ganz real umarmen zu können!

Jutta und Martina.
(Vorstand wbc-cologne e.V.)

Hier finden Sie die alphabetische Liste der zehn WBC-Mitglieder…